Donnerstag, 18.10.2012

Die US-Ratingagentur S&P hat Spanien trotz weitreichender Reformen weiter herabgestuft. Reformunwillige Länder wie USA, GB und Japan bleiben unbehelligt.

Trotz der weitreichenden und positiven Reformen in Spanien hat die US-Ratingagentur S&P die Kreditwürdigkeit Spaniens weiter herabgestuft.

Die Bonität des Landes wurde auf BBB-Minus reduziert, was sich nur noch knapp über dem "Ramsch-Status" befindet. Zur Begründung nannte die Ratingagentur, dass der Ausblick negativ sei, man ein Problem bei der politischen Unterstützung für die Reform in Spanien sehe und das sich die Hilfe der Eurozone als unzureichend erweisen werde. 

Interessanterweise blendet die Ratingagentur offensichtlich alle positiven Gesichtspunkte rund um die Eurozone aus. An dieser Stelle seien nur einige der Fakten genannt:

- der Besuch von Frau Merkel in Athen verlief diplomatisch erfolgreich, 
- die ermutigenden Worte über die Gesundung der Eurozone von EZB-Chef Mario Draghi, 
- die einheitlichen Äußerungen von der Eurogruppe und des Internationalen Währungsfonds (IWF), 
- die frühere Rückkehr als geplant die Portugals an die Finanzmärkte,
- der gestartete neue ESM-Rettungsschirm,
- die EZB darf ab sofort Anleihen kaufen.

Spanien leidet derzeit sicherlich unter den harten Reformen und ist in einer Phase der Neuorientierung. An dem offenkundigen Problem der Arbeitslosigkeit, besonders bei Jugendlichen, wird derzeit gearbeitet und alte verkrustete Strukturen aufgebrochen. Dabei ist es nicht verwunderlich, dass es vorübergehend zu einer Verschlechterung der Wirtschaftslage und der Lage am Arbeitsmarkt kommt.

Anders sieht die Situation in Ländern wie z.B. USA, GB und Japan aus. Diese Staaten lassen ganz offensichtlich jeglichen Reformwillen vermissen und bauen neue Schulden auf. Dieser Aspekt wird von den Ratingagenturen bei der Bewertung der Reformländer völlig ausgeklammert. 

Herr Schäuble sagte kürzlich: Die Euro-Zone werde auch die Vereinbarung einhalten, das Defizit zwischen 2010 und 2013 zu halbieren. Kennen Sie Politiker die Ankündigungen dieser Art liefern und das noch in vergleichbarer Qualität?

Selbst wenn man sich die nicht geringe Staatsverschuldung Spaniens von 90% ansieht, dann liegen diese Zahlen immer noch weit unter denen der vorher angesprochenen nicht reformwilligen Staaten. Spanien wird jetzt mit einer Stufe über "Ramsch" bewertet. Es ist schon für Spanien ein wenig deprimierend, dass das Rating des Landes auf einer Stufe steht mit der Türkei, Island und Lettland und – jetzt bitte festhalten - hinter Ländern wie Litauen, Marokko und Panama… Quelle: http://www.standardandpoors.com/ratings/sovereigns)

Es ist schon erstaunlich und wirklich schlimm, dass die vom IWF geforderten Maßnahmen wie:

- unsere Mitglieder müssen handeln,
- unsere Mitglieder müssen mutig handeln

von den US-Ratingagenturen derart schlecht bis gar nicht honoriert werden. Interessanterweise werden die USA bis nach den Präsidentschaftswahlen von den Ratingagentur offensichtlich nicht behelligt. 

Einige Beispiele zu dem Vorgehen der US-Ratingagenturen:

- EUROPA - Belgien wurde nach der Regierungsbildung mit einer Abwertung belohnt,
- EUROPA - Griechenland wurde wegen einer fehlenden politischen Ausrichtung scharf angegriffen
- ENGLAND - das Land korrigiert eigenmächtig seine Kapitalregel für Banken und verlagert damit das Problem der Banken in die Zukunft. Kommentar der Ratingagenturen hierzu - keiner! 
...

Internationale Investoren richten sich nicht nur nach der Stimmungslage bei ihren Investitionsentscheidungen in Staaten, sondern in einem nicht unerheblichen Maße auch nach Ratingagenturen. Damit können diese Agenturen immer noch einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Finanzierung von Staaten nehmen.

Autor: Andreas Coppes