Dienstag, 16.04.2013

Wohin tendiert die Weltwirtschaft und Europa?

Grundsätzlich kann man feststellen, dass die Weltwirtschaft sich derzeit anders darstellt, als ein gesättigter Markt.

Sowohl im Lagerzyklus als auch im Investitionsgüterzyklus, bietet sie einen nicht gesättigten Markt und damit eine Steilvorlage für ein nachhaltiges weltwirtschaftliches Wachstum. Die fundamentalen Daten, insbesondere aus China und den USA, belegen diese These. Trotzdem muss man konstatieren, dass vor allem negative Daten, wie beispielsweise aus dem US-Arbeitsmarktbericht per Ende März, die Stimmung drücken. Man sollte diesen Daten nicht zu viel Aufmerksamkeit beimessen, da sich die Wirtschaft niemals wie eine Linie entwickelt, sondern mit Schwankungen mit positiven und negativen Werten. Trotz negativer Zwischenwerte kann die Gesamtausrichtung deutlich nach oben zeigen. 

Für Europa bleibt in diesen Zusammenhang die Frage, wie wir uns aufstellen müssen, um von dieser positiven konjunkturellen Entwicklung zu profitieren. Bekanntermaßen verliefen die ersten drei Monate diesen Jahres für Europa eher durchwachsen. Die bekannten politischen Probleme, ausgelöst durch die Wahlen in Italien, die Korruptionsvorwürfe gegen die spanische Regierung und die Verwirrung um die Einlagensicherung bei dem Rettungsprogramm für Zypern sorgten für Effekte, die Gesamteuropa von einer weltweiten positiven konjunkturellen Entwicklung abkoppelten. 

Bei den Gesprächen des neuen US-Finanzminister, Jack Lew, in Brüssel mit EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso und EU-Ratspräsident Hermann van Rompuy, machte der Amerikaner klar, dass die amerikanische Volkswirtschaft sehr sensibel auf die Entwicklung jenseits ihrer Landesgrenzen, also auch auf Europa, reagiere. Deshalb forderte er Europa erneut auf, die Anstrengung zur Überwindung der Wirtschaftsschwäche zu erhöhen. Eine Forderung, so denke ich, die vor allen Dingen einen politischen Ansatz verfolgt, da die Politik derzeit offensichtlich das Risiko eines konjunkturellen Verfalles in der Eurozone in Kauf nimmt.

Ich glaube, dass der Schlüssel zu einer konjunkturellen Stabilität in Europa, eine Frage der Balance zwischen einer Struktur- und Konjunkturpolitik ist. Nachdem die Strukturpolitik in den letzten drei Jahren mit großen Schritten vorangebracht worden ist, sollte man vielleicht jetzt die Konjunkturpolitik in den Vordergrund stellen. Als Folge sollte damit die Strukturpolitik zeitlich weiter gestreckt werden. Damit würde man den hiervon betroffenen Menschen in den Reformländern wieder mehr "Raum zum Atmen" geben. Denn wer das Strukturpolitikthema zu stark ausspielt, der spielt auf der anderen Seite, mit einer Depression in den europäischen Reformländern und fördert somit das Zerfallrisiko der Eurozone aus konjunkturellen Gründen.

Autor: Andreas Coppes