Montag, 10.06.2013

IWF halbiert Wachstumsprognose für Deutschland - hat man vergessen die Gegenwart zu betrachten?

Es ist durchaus nachvollziehbar, dass der IWF (Internationaler Währungsfonds) aufgrund einer Vergangenheitsbetrachtung das Wachstum in Deutschland nach unten korrigiert.

In der Tat gab es ein schwaches erstes Quartal 2013. Deshalb senkte der Internationale Währungsfonds seine Prognose für Deutschland von 0,6 % Wachstum auf 0,3 %. Auch für das Jahr 2014 ist man nicht mehr so optimistisch. Der Chef eines IWF-Expertenteams, Subir Lall, sagte, dass er nicht glaube, dass die noch vor kurzem vorausgesagte Wachstumsschätzung für 2014 mit 1,5 % eintreten wird. Er sei etwas pessimistischer.

Objektiv muss man sagen, dass das erste Quartal in Europa und damit auch in Deutschland schwach war. Es war geprägt vom schlechten Wetter, der Italienwahl und der nicht glücklichen Lösung für Zypern. Trotz dieser Fakten, sollte man es aber nicht überbewerten, sondern vielleicht auch die aktuelle Situation mit einbeziehen. Tatsache ist, dass Deutschland gerade im Maschinenbau einen sehr deutlichen Anstieg des Auftragsniveaus zu verzeichnen hat. Ähnlich ist es mit den deutschen Autobauern. Sie sind derzeit am US-Markt sehr erfolgreich und nicht zuletzt hat sich die Stimmungslage bei den deutschen Familienunternehmen klar verbessert. Sie sehen zuversichtlich nach vorne und glauben, dass der Höhepunkt der Krise durchschritten ist.

Es wäre sicherlich hilfreich, wenn die Experten des IWF, nicht wie üblich, nur ein Quartal betrachten, sondern auch die aktuellen Entwicklungen in ihrer Aussagen mit einbeziehen. Ansonsten steht zu befürchten, dass derartige Meldungen das kleine Pflänzchen des weltwirtschaftlichen Wachstums zerstören und damit eine weitere Verunsicherung an den Märkten schüren.

Auch ensteht bei mir manchmal der Gedanke, das Frau Lagarde oder der IWF bei Ihren Äußerungen Werbung für die französische Meinung bei der Eurorettung macht. Zumal Frankreich und Frau Lagarde sich einig sind, dass Deutschland durch höhere Löhne sich in der Wettbewerbsfähigkeit Europas angleicht und so die europaische Kluft auch geschlossen werden kann. Ein Hinweis auf ein gesunkenes Wachstum und ein Hinweis auf höhere Löhne für eine gesteigerte Inlandsnachfrage würden diese Strategie bestätigen.

Autor: Andreas Coppes