Montag, 08.07.2013

Grober Unfug - die EZB erweitert die Geldmenge weit weniger als in der Presse behauptet.

Wenn man sich die offiziellen Zahlen der europäischen Zentralbank (EZB) ansieht, stellt man schnell fest, dass das Wachstum der Geldmenge M3 nicht annähernd so stark zunimmt, wie von der Presse behauptet und von vielen gedacht.

Es ist eben doch manchmal hilfreich, sich die Fakten selber anzusehen. Sie werden feststellen, dass das Wachstum der Geldmenge, also das was die EZB an Geld pro Monat schöpft, bei weitem nicht so hoch ist, wie man es im Allgemeinen erwartet. Ich habe mir jeweils die Geldmengenerweiterung Ende Dezember eines jeden Jahres angeschaut. 

Die mir vorliegenden und veröffentlichten Daten seitens der EZB beginnen im Januar 1998 und enden mit einem vorläufigen Wert des Monats Mai 2013. Innerhalb der “guten Zeit" von Ende 1998 bis Ende 2008, hat sich die Geldmenge M3 von € 4.425,3 Milliarden auf € 9.405,1 Milliarden erhöht. Das entspricht bei meiner zehnjährigen Betrachtungsweise einer durchschnittlichen Erweiterung der Geldmenge M3  von 11,25 % p.a. Im Gegensatz hierzu wuchs die Geldmenge M3 in der Krisenzeit, von Ende 2008 bis Mai 2013, in diesem viereinhalb jährigen Betrachtungszeitraum durchschnittlich nur um 1,05 %!

Es bleibt mir ein Rätsel, weshalb deutsche Presseorgane bei einer derartigen Faktenlage immer wieder Verunsicherung bei der deutschen Bevölkerung schüren, zumal die Geldmenge für die Betrachtung einer Inflationsrate nur ein Teil dieser darstellt. In einem ersten Schritt müsste das geschöpfte Geld (weitläufig bezeichnet als gedrucktes Geld) erst einmal aus dem Interbankenhandel heraus und an die Kunden der Geschäftsbanken weitergeben werden. Tatsächlich wird der Hauptanteil des von der EZB geschöpften Geldes von den Geschäftsbanken bei der EZB wieder anlegt. Da also von dem nur wenig geschöpften Geld noch weniger in die Wirtschaft fließt, ist sogar die theoretische Auswirkung auf die Inflationsrate äußerst gering.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Auswirkung der Geldmengenerweiterung seitens der EZB in der Regel deutlich überschätzt wird, da weder wesentliche Geldmengen, im Vergleich zu den guten Zeiten, geschöpft werden, noch das Geld im großen Maße in den Umlauf kommt.

Autor: Andreas Coppes - Datenquelle: Europäische Zentralbank - Geldmenge M3 im Euro-Währungsgebiet/saisonbereinigt - vom 27.06.2013 um 13:36:58 Uhr