Sonntag, 17.11.2013

Stromnetzbetreiber TenneT schlägt vor, den Ausbau von Offshore-Windparks zu drosseln. Leerstandskosten von hohen dreistelligen Millionenbeträgen befürchtet.

Nach Meinung des TenneT-Geschäftsführers, Lex Hartman, müssen die Windkraftziele an die Realität angepasst werden, um Leerstandskosten in Millionenhöhe zu vermeiden.

Deshalb regt Hartman einen verlangsamten Ausbau von Offshore-Windparks an. Als Grund hierfür nannte er, dass der Ausbau von Offshore-Windparks in der Nordsee mit dem Ausbau der Stromnetze auf mittlere Sicht nicht Schritt hält. Dazu sagte er: „Wir haben Aufträge für elf Anschlussleitungen in der Nordsee mit einer Gesamtkapazität von 6,2 Gigawatt verbindlich vergeben. Aber wir bauen auf Vorrat, weil gleichzeitig nur verbindliche Investitionsentscheidungen für Offshore-Windparks mit einer Gesamtkapazität von 2,9 Gigawatt vorliegen... Es drohen Leerstandskosten im hohen dreistelligen Millionenbereich". Es ist wohl klar, wer für diese Leerstandskosten aufkommen muss - der Stromkunde. Das größte Problem scheint der nicht synchron verlaufende Ausbau der Netze mit den Windparks zu sein. Trotz aller Probleme wird zukünftig der auf See erzeugte Strom einen wichtigen Beitrag für die Versorgungssicherheit leisten. 

Gleichzeitig müssen die Ausbauziele der Offshore-Windparks an den Netzentwicklungsplan angepasst werden. Dazu schlägt Hartman vor: "Wir schlagen vor, dass wir bis 2023 in der Nordsee Netzkapazität für sieben Gigawatt Offshore-Leistung bereitstellen". Das würde seiner Meinung nach ausreichen, um die realistisch zu erwartenden Windparks an das Stromnetz anzuschließen und einen effizienten und synchron laufenden Ausbau der Infrastruktur sicherzustellen. Dazu muss man wissen, dass ursprünglich bis zum Jahr 2023 nicht Windparks mit einer Leistung von rund sieben Gigawatt, sondern mit 12,8 Gigawatt geplant waren. 

Man sieht also, dass das ehrgeizige Ziel der Bundesregierung wohl kaum zu erreichen sein dürfte. Grundsätzlich ist der Schritt aber sicherlich richtig. Allen muss jedoch klar sein, dass der Anschluss der Windkraftanlagen an die Stromnetze nicht ausreicht, denn der Strom muss auch dahin transportiert werden, wo er benötigt wird und das ist in der Regel nicht im Norden der Republik sondern eher im Süden. Wer dazu die Trassen bauen und bezahlen soll ist offen.

Autor: Andreas Coppes